Raps als Stromquelle für Grossbritannien:
Wenn Stromkunden Rapsfelder anzapfen
Bekanntlich wächst elektrischer Strom nicht auf Bäumen. Aber dank einer neuen Initiative in Grossbritannien könnte er vermehrt auch auf Feldern „gedeihen“. Syngenta arbeitet zusammen mit zwei britischen Partnern an der Nutzung von Raps zur Stromerzeugung. Es handelt sich um das erste kommerzielle Projekt dieser Grössenordnung. Dass das Konzept funktioniert, ist bereits erwiesen: Beim Neubau des Berliner Parlamentsgebäudes nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Raps in die Energieplanung einbezogen. Seither liefert der nachwachsende Brennstoff im Reichstag zuverlässig Wärme und Licht. Anschauliche Beispiele dazu gibt es auch in Frankreich. Aber das Projekt, welches Syngenta mit seinen Partnerunternehmen in Grossbritannien lanciert hat, geht noch einen grossen Schritt weiter. |
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Wie die meisten Länder hat auch Grossbritannien das Kyoto-Abkommen unterzeichnet. Darin verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis ins Jahr 2007 um einen Fünftel zu reduzieren. Ausserdem schreibt das Abkommen vor, dass bis 2010 drei bis fünf Prozent des elektrischen Stroms aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden muss. Sicherheitsinteressen sind ein weiterer wichtiger Grund, weshalb Grossbritannien in Zukunft seine Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen reduzieren will.
Und genau hier kommt das so genannte „fuel farming“ (Brennstoffanbau) ins Spiel.
Von den Optionen, die für die britische Landwirtschaft infrage kommen, bietet Raps zum heutigen Zeitpunkt die günstigsten Perspektiven. Syngenta Royal ist zurzeit die ertragreichste Hybridsorte überhaupt. Sie ermöglicht den Landwirten einen Hektarertrag von rund 1'800 Litern Öl. Somit kann auf 400 Hektar genug Rohstoff zur Stromversorgung von 1'000 Eigenheimen produziert werden.
Das hört sich vielleicht nicht nach besonders viel an. Aber Grossbritannien verfügt bereits über 600'000 Hektar Rapsanbaufläche. Die gleiche Fläche ist gegenwärtig in der EU stillgelegt – in Form von Brachland. Selbst mit der bestehenden Anbaufläche könnten eine Million Haushalte mit elektrischem Licht versorgt werden. Das bedeutet, dass jahrein, jahraus zwei Prozent des britischen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden könnten. Noch besser: Biostrom ist CO2-neutral, sodass die Stromerzeugung aus Raps einen doppelten Beitrag zur Erreichung der Kyoto-Zielen leisten könnte.
Syngenta NK Seeds liefert heute die Sorte Royal an Landwirte, die einen Vertrag mit dem das Konzept unterstützenden Elektrizitätswerk abgeschlossen haben. Syngenta Crop Protection wird beiden Parteien mit landwirtschaftlicher Beratung zur Seite stehen. Bis Juni 2005 sollte das Elektrizitätswerk für die ersten Testlieferungen bereit sein. Das zweite Partnerunternehmen wird danach den Rapsstrom als „grüne Energie“ für seine Kunden beziehen.
Verläuft der Versuch erfolgreich, planen mehrere britische Kohlebergwerke den Einkauf von Raps für ihre stromerzeugenden Turbinen. Und was geschieht danach? Wenn Grossbritannien sein gesamtes Brachland sowie die Hälfte der bisherigen Rapsanbaufläche für die Erzeugung von Biostrom nutzen würde, könnte das Land innert kurzer Zeit eines seiner wichtigsten Kyoto-Ziele erreichen.
Weitere Informationen über die britischen Pläne zur Nutzung von Kulturpflanzen als Energieträger finden Sie unter www.defra.gov.uk/corporate/consult/nonfoodcrops/index.htm


