Das gefährlichste Tier der Welt?
Bei einem Test ihrer Allgemeinbildung wüssten sicher die meisten Leute, dass Insekten die grösste Vielfalt unter allen Lebewesen aufweisen – mehr als eine Million verschiedene Arten sind bereits bekannt und es werden immer wieder neue, noch unbekannte Arten entdeckt. Was aber würden Sie antworten, wenn man Sie nach dem gefährlichsten Tier auf unserem Planeten fragen würde? Löwen etwa, oder Haie? Vielleicht Krokodile oder eine bestimmte Schlangenart? Und das Nashorn ist ja auch für sein unberechenbares Wesen bekannt ...Tatsächlich trifft jedoch keine dieser Antworten zu. Vielmehr konkurrieren mehrere Vertreter der riesigen Klasse der Insekten um diesen schaurigen Titel. Bisweilen wird zum Beispiel behauptet, das gefährlichste Tier der Welt sei die gemeine Stubenfliege, da sie nachweislich Träger für über 200 verschiedene pathogene Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren sein kann. Dennoch – irgendwie gibt die Stubenfliege in diesem Zusammenhang eine weniger überzeugende Gewinnerin ab als ein anderes, viel furchterregenderes Insekt: Die Goldmedaille für Gefährlichkeit, so wir denn eine zu vergeben hätten, ginge mit Sicherheit an die Stechmücke.
Zunächst
einmal gibt es weltweit mehr als 2500 verschiedene
Stechmückenarten – jede davon perfekt an ihren
jeweiligen Lebensraum angepasst. Allein in Florida
finden sich 77 verschiedene Arten! Stechmücken
sind deswegen besonders gefährlich, weil sie
direkt auf unser Blut aus sind. Hüten muss man
sich aber nur vor den Weibchen – in diesem Fall
sind tatsächlich die weiblichen Vertreter der
Spezies todbringender als die Männchen! Sie
suchen nach oberflächlichen Blutgefässen und
treiben dahinein mit chirurgischer Präzision
ihre wie Spritzenkanülen in Miniaturausführung
wirkenden Saugrüssel. Das Problem dabei ist,
dass auf diesem Wege auch alles mögliche andere
in unsere Blutbahn gelangt – im gefährlichsten
Fall diverse unangenehme Parasiten, die Moskitos
als Transportmittel von einem Warmblüter zum
anderen benutzen und sich nebenbei von ihnen
bei der Vollendung ihres Lebenszyklus helfen
lassen. Leider sind die gesundheitlichen Auswirkungen
beim Menschen oft gravierend.
Die Liste
derartiger
Gesundheitsgefahren
wird angeführt
von der
Malaria
– der wohl
bekanntesten
aller von
Stechmücken
übertragenen
Krankheiten.
Auch nach
jahrzehntelanger
Bekämpfung
der Überträgermücke
sind immer
noch sage
und schreibe
40 Prozent
der Weltbevölkerung
dem Risiko
ausgesetzt,
an Malaria
zu erkranken.
Grösstenteils
handelt
es sich
dabei um
Bewohner
der ärmsten
Länder
der Welt.
Jährlich
erkranken
über 300
Millionen
Menschen
akut an
Malaria.
Eine Million
Todesopfer
fordert
die Krankheit
jedes Jahr,
darunter
hauptsächlich
Kinder
unter fünf
Jahren.
Neben diesem
enormen
Preis für
die Gesellschaft
lagen gemäss
Schätzungen
die direkten
ökonomischen
Kosten
der Malaria
in Afrika
im Jahre
1987 bei
800 Millionen
US-Dollar;
bis 1995
erfuhren
sie eine
Steigerung
auf geschätzte
1,7 Milliarden
US-Dollar,
die sich
bis zum
Jahr 2000
erneut
verdoppelten.
Wiederholte
globale
Anstrengungen
durch Organisationen
wie „Roll
Back Malaria“
und Syngenta
setzen
auf Mückenbekämpfung
mit modernen
Mitteln,
etwa durch
chemische Behandlung
von Bettnetzen,
um die
am meisten
gefährdeten
Personengruppen
– Kinder
und Schwangere
– zu schützen.
Gefährlich
sind aber keinesfalls nur die Stechmücken. Auch
jede Menge anderer Insekten vom gewissermassen
beissenden Typ, z.B. Kriebelmücken, Tsetse-Fliegen
und Raubwanzen, sind in vielen tropischen Ländern
sehr gefürchtet. Allein schon die Namen der
Krankheiten, die derartiges Ungeziefer auf den
Menschen überträgt, machen Angst – lymphatische
Filariose, Leishmaniose, Elephantiasis, West-Nil-Virus,
Dengue-Fieber, Afrikanische Trypanosomiasis.
Wer über ausreichend Phantasie oder das entsprechende
Wissen verfügt, kann sich zu diesen Namen auch
gleich die passenden, unangenehmen Symptome
vorstellen!
Tatsächlich stehen durch Insekten übertragene Tropenkrankheiten nach HIV/AIDS und Tuberkulose an dritter Stelle bei den wichtigsten, potenziell tödlichen Erkrankungen globalen Ausmasses. Berücksichtigt man zudem noch die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen, versteht man allmählich, warum einige Insekten mit an der Spitze der gefährlichsten Tierarten rangieren.
Durch Insekten übertragene Krankheiten
und die damit verbundenen Probleme sind übrigens nicht
nur auf tropische Entwicklungsländer beschränkt. Das West-Nil-Virus
zum Beispiel stellt neuerdings auch in gemässigteren Zonen
eine Bedrohung dar. Die Krankheit wird durch Stechmücken
von Vögeln auf den Menschen und andere Tiere übertragen
und breitet sich derzeit recht schnell in ganz Europa,
Mexiko, in den USA und in Kanada aus. Bis Mitte September
dieses Jahres sind in den Vereinigten Staaten über 3500
Erkrankungsfälle beim Menschen gemeldet worden – wobei
der erste Fall erst im Jahr 1999 registriert wurde.
Anlass
zur Sorge bieten jedoch nicht nur solche Insekten,
die den Menschen direkt angreifen. Zahlreiche
Fliegenarten, einige Schabenarten und wenige
Nager, insbesondere Ratten, übertragen besonders
effizient über die Nahrungskette Krankheiten
auf den Menschen. Von Schaben weiss man zum
Beispiel, dass sie mindestens 33 Bakterienarten,
sechs Wurmparasiten und wenigstens sieben andere
für den Menschen gefährliche Krankheitserreger
übertragen. Durch ihre enorme Vermehrungsrate
können sie in grossen Populationen auftreten,
die sich an unseren Lebensmitteln gütlich tun,
diese kontaminieren und obendrein Allergien
auslösen können. Die Liste derartig furchterregender,
feindlicher Insekten scheint endlos – und die
dazugehörigen Statistiken ebenso. Als weiteres
Beispiel dafür wären die Termiten zu nennen.
Bei der letzten Erhebung 1995 zählte man ungefähr
2753 Termitenarten. Deren Nahrungsgrundlage
kann man wissenschaftlich als „lignocellulosehaltige
Stoffe“ bezeichnen, dazu gehören Holz, Laub,
Dung, etc. – das in der Biosphäre am reichlichsten
verfügbare organische Material. Trotz dieses
scheinbaren Nahrungsüberangebots haben einige
Termitenarten jedoch auch das Holz, aus dem
unsere Behausungen gebaut sind, auf ihren Speiseplan
gesetzt. Unterirdisch lebende Termiten stellen
in den Vereinigten Staaten die Schädlinge mit
dem grössten Zerstörungspotenzial dar. Sie sind
verantwortlich für Schäden in Höhe von über
zwei Milliarden US-Dollar jährlich – mehr als
der durch Brand und Sturm zusammen verursachte
Umfang an Sachschäden. Ursprünglich ernährten
sich unterirdisch lebende Termiten von abgestorbenen
Bäumen und Buschholz. Werden solche Nahrungsquellen
entfernt und Häuser an deren Stelle gebaut,
so machen sich die Termiten eben über diese
her. Termiten sind zwar nur einige wenige Millimeter
gross, doch im Verbund können sie verheerende
Schäden anrichten. Eine Kolonie der gefürchteten
Formosa-Termite besteht aus ungefähr einer Million
Individuen und vernichtet etwa 450 Kilogramm
Holz jährlich. Ein befallenes Haus wird in der
Regel auch von drei oder vier derartiger Kolonien
heimgesucht!
Nun sind wir diesen Feinden allerdings nicht hilflos ausgeliefert. Mit Hilfe der modernen Technologie lässt sich die durch gefährliche Insekten drohende Gefahr zumindest in Schach halten. Das alte Sprichwort „Vorbeugen ist besser als Heilen“ trifft hier besonders zu, denn viele der durch Insekten übertragene Krankheiten lassen sich, wenn man sie sich einmal eingefangen hat, nur schwer behandeln. Viel besser ist es daher, den Insektenbefall unter Kontrolle zu bringen, ehe es zur Verbreitung von Krankheiten kommen kann. Moderne Pyrethroid-Insektizide, deren chemische Struktur von der natürlichen Substanz einer tropischen Chrysanthemenart abgeleitet ist, haben aufgrund ihrer Unbedenklichkeit, Wirksamkeit und der vielseitigen Einsatz-möglichkeiten innerhalb der vergangenen beiden Jahrzehnte einen neuen Standard gesetzt. Ganze 10 Milligramm (einige stecknadelkopfgrosse Mengen) verteilt über einen Quadratmeter eines Bettnetzes würden genügen, die darauf landenden Malariamücken über einen Zeitraum von mehr als 15 Monaten zu kontrollieren! Neben der Insekteneindämmung spielen aber auch moderne Arzneimittel eine entscheidende Rolle in diesem Kampf – wobei zum Beispiel die Malaria eine der behandelbaren Krankheiten darstellt.
Pyrethroid-Insektizide
sind ausserdem auch gegen Termiten wirksam,
vor allem, wenn sie zwischen flexiblen Abdeckplatten
in die Fundamente von Häusern mit eingebaut
werden. Dieser neuartige Ansatz kann Ihr Haus
jahrzehntelang vor Termiten (und den entsprechend
hohen Reparaturkosten) schützen und demonstriert
ausserdem, wie wichtig bei der Eindämmung von
Gefahren für die öffentliche Gesundheit – dazu
gehört auch das Rattenproblem – eine grössere
Auswahl an entsprechenden Methoden ist. Mit
einer Vielzahl unterschiedlicher Methoden lässt
sich zudem die Entwicklung von Resistenzphänomenen
vermeiden – ein Vorgang, bei dem Schädlinge
im Zuge der langsamen, natürlichen Evolution
und Selektion unempfindlich werden gegenüber
den einzelnen Bekämpfungsmassnahmen und mitteln.
Wenn man sein Arsenal ständig mit neuen Waffen
nachrüstet und kreativ damit umgeht, kommen
Schädlinge schlicht nicht mehr mit!
Zwar wird es in diesem Kampf nie einen Sieger geben, doch verlieren vielleicht angesichts eines solchen Arsenals einige der kleinsten, aber gefährlichsten Tiere auf diesem Planenten schliesslich doch etwas von ihrem Schrecken!

