Eingeschleppte Ratten und weltweite Gefahren für die Biodiversität

Biodiversität ist ein Begriff, der von Umweltschützern zur Beschreibung der Vielfältigkeit des tierischen und pflanzlichen Lebens innerhalb eines Ökosystems verwendet wird. Globale Gefahren für die Biodiversität sind Gegenstand ambitionierter Umweltschutzkampagnen, über die wir durch Zeitungen und andere Medien informiert werden.

Doch es gibt eine bestimmte Art der globalen Bedrohung von Biodiversität, die kaum beachtet wird – nämlich die Einschleppung neuer Tier- und Pflanzenarten in Gegenden, in denen diese zuvor nicht heimisch waren.

Die Schäden, die diese fremden Spezies den empfindlichen Ökosystemen zufügen, bedrohen massiv deren Biodiversität und stellen für die Ressourcen und das Know-how von Umweltschutzorganisationen überall auf der Welt eine enorme Herausforderung dar. Zu den besonders aggressiven und zerstörerischen ortsfremden Tieren gehören die Nagetiere, und hier vor allem die Ratten. Diese im Sinne des Umweltschutzes unter Kontrolle zu bringen ist ein Anliegen, dem wir von Syngenta uns schon seit vielen Jahren mit unserem Fachwissen und unseren Produkten widmen.

Erfolge auf den Galapagos-Inseln
Auch die Galapagos-Inseln beherbergen heute zahlreiche ortsfremde Spezies, darunter Tiere wie Ratten, Katzen, Schweine und Ziegen. Auf der bewohnten Hauptinsel Santa Cruz bedrohen Ratten die Brutkolonien des gefährdeten Dark-Rumped Sturmvogels. Ornithologen haben berechnet, dass die Ratten den Bruterfolg der Vögel so enorm beeinträchtigt hatten, dass nur noch in 2% der Nester der grössten Sturmvogelkolonie der Insel Jungvögel schlüpften. Dies hätte innerhalb kürzester Zeit zur Ausrottung der Art führen müssen. Heute werden auf Santa Cruz alljährlich während der Brutsaison der Vögel Massnahmen zur Bekämpfung der Ratten getroffen, um die Vögel und ihre Küken zu schützen. Diese Aktionen, initiiert von Wissenschaftlern des Charles Darwin Research Institutes (www.charlesdarwinresearch.org) und des Galapagos Nationalparks (www.galapagospark.org) konnten den Bruterfolg der Kolonie wieder so weit verbessern, dass in manchen Teilen der Kolonie heute in 70% der Nester Nachwuchs heranwächst. Lange glaubte man, die Dark-Rumped Sturmvögel der Galapagos-Inseln seien auch auf anderen Pazifikinseln anzutreffen, doch mittlerweile betrachten die Wissenschaftler sie als eigenständige Spezies, die nur auf Galapagos heimisch ist – ein Umstand, der die Bedeutung der Schutzprogramme zusätzlich herausstreicht.

Mauritius – Rettung für den seltensten Vogel der Welt
Drei der weltweit besonders gefährdeten Vogelarten, der Mauritius-Turmfalke, der Echosittich and die rosa Mauritius-Taube, standen bereits kurz vor ihrer Ausrottung. Der Grund dafür lag hauptsächlich in der Zerstörung ihres natürlichen Habitats, in Nestplünderungen durch zugezogene Spezies, und – im Fall des Mauritius-Turmfalken – im Einsatz von DDT. 1974 gab es nur noch vier frei lebende Turmfalken auf Mauritius, und da zugleich kein einziger in Gefangenschaft gehalten wurde, schien die Ausrottung dieses seltensten Vogels der Welt bereits unabwendbar. Die Zahl der Echosittiche ging 1986 auf neun Exemplare zurück, nur drei von ihnen Weibchen, und die weltweite Population der Rosa Taube umfasste 1991 gerade noch zehn Vögel. Dank der überaus erfolgreichen Schutzmassnahmen lokaler Umweltschutzgruppen wie der Mauritius Wildlife Foundation (www.maurinet.com) und des Durrell Wildlife Conservation Trust (www.durrellwildlife.org), der vom Jersey-Zoo auf den britischen Kanalinseln aus operiert, zeigen heute alle drei Arten deutliche Anzeichen einer Erholung, und ihre frei lebenden Kolonien auf Mauritius machen heute doch wieder einige Hundert aus. Wären die Umweltschützer nicht tätig geworden und hätten sie die Verbreitung fremder Nagetiere nicht unterbunden, könnten wir diese wunderschönen Vögel vielleicht heute schon nicht mehr bewundern.

“Ausgerottete” Schlange erhält zweite Chance
Vögel sind jedoch nicht die einzige Tiergattung, der Gefahr durch fremde Spezies droht. Im 19. Jahrhundert verwüsteten Ratten die karibischen Zuckerrohrplantagen, und in einem wenig überdachten Versuch, die Plage einzudämmen, wurde eine Population von Mungos ausgesetzt. Wie zu erwarten, taten diese den Ratten nichts zuleide, sondern unternahmen ihre Beutezüge lieber unter den seltenen heimischen Wildtieren der Inseln.

In Antigua wurde so der Antigua Racer, eine Schlange, die früher überall auf der Insel vorkam, ausgerottet. Viele Jahre später entdeckte man plötzlich eine winzige Restpopulation des Racers, nur einige Dutzend Exemplare, auf einer kleinen Insel vor der Küste namens Great Bird Island. Aber kaum hatten die Umweltschützer die Wiederentdeckung einer „ausgerotteten“ Spezies gefeiert, als bereits eine weitere Bedrohung auftauchte. Zwar trieben auf Great Bird Island keine Mungos mehr ihr Unwesen, doch nun setzte eine massive Rattenplage den Schlangen zu. So wies ein sehr hoher Prozentsatz der wenigen verbliebenen Tiere am ganzen Körper Wunden und Narben auf – sichtbare Spuren von Rattenangriffen. Rasch wurde von Umweltschützern der lokalen Environment Awareness Group (www.eagantigua.cjb.net) mit Unterstützung von Fauna and Flora International (www.fauna-flora.org) und des Durrell Wildlife Conservation Trust ein Programm zur Ausrottung der Ratten auf Great Bird Island organisiert. Das Ziel der Säuberung der Insel wurde erreicht und führte innerhalb von fünf Jahren zu einer Verdoppelung der Racer- Population auf nunmehr 100 Exemplare. Die Bemühungen um eine Vermehrung der Antigua Racers auf Great Bird Island waren so erfolgreich, dass man dazu überging, die Rattenplage auch auf den Nachbarinseln einzudämmen. Nur so konnten mehrere Exemplare auf diesen anderen Inseln angesiedelt werden, um die Überlebenschancen für die seltenste Schlange der Welt weiter zu verbessern.

Europas seltenster Vogel
Der seltenste Vogel Europas, der Zino-Falke, lebt auf Madeira. Dieser Seevogel verbringt den Grossteil des Jahres in den Weiten der Südsee, kommt aber alljährlich in die Heimat zurück, um im Zentralgebirge der Atlantikinsel zu brüten. Ebenso wie der Antigua Racer galt auch der Zino-Falke fast während des ganzen Zwanzigsten Jahrhundert als ausgestorben. Dank einer bemerkenswerten ornithologischen Detektivarbeit wurde jedoch vor einiger Zeit eine winzige Restpopulation entdeckt. Bandaufzeichnungen der seltsamen, unverkennbaren Schreie verwandter Vögel wurden Schafhirten vorgespielt, die mit der Berglandschaft im Inneren Madeiras vertraut waren. Diese Hirten führten die Ornithologen schliesslich an einen Ort, an dem sie ähnliche Schreie gehört hatten, und so fand man die Stelle der einzigen bekannten Kolonie des Zino-Falken. Leider bedrohten Ratten aus den naheliegenden Wäldern die Brutplätze der Vögel und frassen die Küken – mit verheerenden Resultaten. Daher initiierten der Naturpark Madeira (www.pnm.pt) und das Freira Conservation Project in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von Syngenta ein Programm zur Bekämpfung der Nager. Die Falken profitierten ganz offensichtlich davon, denn seither brüten sie beinahe jedes Jahr – mit Erfolg.

Die beschriebenen Projekte sind nur ein kleiner Teil all der Programme, die von einigen der weltweit führenden Natur- und Umweltschutzorganisationen zur Unterstützung der Biodiversität durchgeführt werden, um die von ortsfremden Nagetieren bedrohten Habitate den selten gewordenen ursprünglichen Bewohnern zurückzugeben. Syngenta spielt im Rahmen dieser Projekte eine wesentliche Rolle, weil das Unternehmen Produkte und Fachwissen zur Rattenbekämpfung zur Verfügung stellt und so erst ein erfolgreiches Management der Nagetierplage ermöglicht, eine wichtige Vorbedingung für den Schutz besonders sensibler Ökosysteme in Nationalparks oder Gebieten, die zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurden. Diese Arbeit wird weitergeführt, und Umweltschützer auf der ganzen Welt können davon lernen, wie man Programme zur Bekämpfung von Nagetieren durchführt, um die Biodiversität zu bewahren und bedrohte Wildtiere zu schützen.

[Mehr zum Thema Biodiversität finden Sie auf The World Conservation Union (IUCN).]


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