Ein Tag im Leben...
Wünsche nach neuen Geschmacksrichtungen werden erfüllt, damit Tee zur echten Gaumenfreude wirdSeit Jahrhunderten erhebt die japanische Teezeremonie den weltlichen Teegenuss in „geistige Sphären“. Die Zubereitung kann sich über Tage erstrecken, während der Gastgeber sich jedem Detail widmet, bevor die Gäste eintreffen. Im krassen Gegensatz dazu wird heute auch fertig gekochter Tee in Kunststoffflaschen angeboten. “Jüngere Leute haben keinen Spass daran, Wasser zu kochen und es in eine Teekanne zu giessen”, sagt Yuzuru Terao, Teezüchter aus der Region Shizuoka in Japan.
Teraos Teefarm ruht auf einem Plateau in Makinohara, wo sich Teefelder in alle Richtungen erstrecken. Als Beweis der modernen Zeit blasen elektrische Gebläse auf zehn Meter hohen Pfählen warme Luft auf die Kulturen herab, um zu verhindern, dass der Frost den jungen Pflanzen schadet.
Ein weiteres Zeichen der Zeit ist die relativ flache Form der Teebäume von Yuzuru Terao. Er erntet seine Teeblätter mit einem mechanisierten Teeschneider, eine Methode, die in seiner Region an Beliebtheit gewinnt. Normalerweise werden die Bäume im Jahr drei- bis viermal geschnitten, doch ist dies von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.
Wie tief die Bäume geschnitten werden, hängt übrigens vom Landwirt ab. Teraos Familie zieht es vor, die Bäume nicht so sehr zu schneiden, so dass weniger neue Zweige entstehen. Werden die Bäume tief runter geschnitten, wachsen dickere Blätter an langen starken Zweigen.
Dickere Blätter müssen bei der Verarbeitung länger mit Dampf behandelt werden, und der so so produzierte Tee wird “Deep Steam” genannt. Im Vergleich zu den relativ teuren hochwertigen Teeblättern, die in den Berggegenden wachsen, haben Yuzuru Teraos Teeblätter ein dunkleres Grün, einen stärkeren Geschmack und werden zu günstigeren Preisen verkauft.
Form, Farbe und Geschmack sind Qualitäten, die allen Teeblättern eigen sind. Gute Teeblätter sind fein gedreht, haben wenig Adern und sind nicht pulverig. Gute “Deep Steam” Blätter sind von einem gelblich Grün. Der Tee ist leicht süss und schmeckt nicht nach Gras duften.
Es gibt Dutzende von Merkmalefür die verschiedenen hochwertigen Teesorten. Terao pflanzt Yabukita-Tee an, der in Shizuoka wegen seines feinen Geschmacks weit verbreitet ist. Er würde aber auch gerne früh und spät wachsenden Tee anbauen. Die Produktion von Yabukita bedeutet, dass der ganze Tee in einer einzigen Woche geerntet werden muss.
“Weil Yabukita krankheitsanfällig ist, möchte ich mehr Widerstandsfähigkeit und grössere Zähigkeit einführen”, sagt Terao. “Aber eine Veränderung ist schwierig, weil Teehändler neue Merkmale nur begrüssen, wenn sie ihnen schon bekannt sind. Ausserdem dauert es sechs bis sieben Jahre, bevor von jungen Teebäumen geerntet werden kann.”
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Durch Importe beeinflusst sind die Teepreise kürzlich zurück gegangen. Während die Nachfrage nach Tee in Flaschen steigt, konkurriert chinesischer grüner Tee ebenfalls auf diesem Markt. Teetrinken als beiläufige Gewohnheit hat begonnen, das traditionelle japanische Ritual zu verdrängen. “Teeproduzenten müssen eine gute Lösung finden, um junge Menschen zu ermutigen, das Teetrinken zu geniessen”, meint Terao.
Neben dem Anbau von Teebäumen dämpft und trocknet die Familie Terao Teeblätter zu Hause und verkauft sie dann direkt an Konsumenten. Der Direktverkauf begann, als Teraos Mutter seinen Vater heiratete und Teeblätter an Verwandte schickte. Diese Praxis übernahmen dann andere Verwandte und Freunde. Heute haben die Teraos eine Basis treuer Kunden, die den guten und preiswerten Tee der Familie schätzen. Jeden Mai schicken sie Proben neuer Teeblätter zu ihren Kunden und erhalten dann Aufträge per Telefon oder Fax. Der Verkauf im Mai macht ein Drittel des ganzen Umsatzes im Jahr aus. Die Teraos fühlen sich belohnt, wenn sie von ihren Kunden Aufträge mit Bemerkungen wie “Der Tee schmeckt wirklich gut!” erhalten.
Was würde Yuzuru Terao gerne von Syngenta sehen? “Obwohl ich zuversichtlich bin, dass mein Tee unbedenklich ist, weil ich die Anweisungen des Herstellers genau befolge, fällt es mir schwer, meine Kunden von der Sicherheit der verwendeten Pflanzenschutzmittel zu überzeugen.” Die Sicherheitsdaten, die einige Hersteller liefern, erklären wissenschaftliche Fakten in wissenschaftlichem Jargon, den seine Kunden nicht gut verstehen. “Ich möchte klare Informationen, die meinen Kunden die Produktesicherheit erklären”, sagt Terao. “Ich würde es auch gerne sehen, wenn Syngenta die Unbedenklichkeit von Agrochemikalien den Kunden direkt erklären könnte.”
Yuzuru Terao hofft, dass mehr und mehr Menschen, auch junge, seinen Tee geniessen, ohne sich über die Sicherheit dieses Teegenusses Fragen zu stellen.


