Ein Tag im Leben....
Colin
Montgomery
Schottland

Das achte Loch des Royal Troon Golf Club in Schottland, dem sogenannten "Postage
Stamp".
Mein Favorit ist das achte Loch in Royal Troon, auch bekannt als „Postage Stamp“. Ein gutes Loch sollte eine Herausforderung für Spieler aller Klassen sein, und dieses stellt tatsächlich jeden Golfer vom Tourniersieger bis zum durchschnittlichen Amateur auf eine harte Probe.
Man nennt es deshalb „Postage Stamp“, also Briefmarke, weil dieses Green so klein ist. Es ist nur 127 Yards lang. Man steht am Abschlag mit einem Wedge in den Händen und denkt, man sollte es mit einem Birdie versuchen, doch die Gefahr lauert überall. Es gibt zwei Bunker links und drei rechts. Das Green ist zwar nahe, aber sehr klein, und man verfehlt es auf eigene Gefahr. In Troon ist keine Runde sicher, solange man dieses Loch nicht passiert hat. Ich habe den Ball schon auf einen Inch ans Loch geschlagen und einen Birdie gelandet, aber ich hatte auch schon sieben und acht Schläge.
Der Wind kann natürlich auf schottischen Links alles verändern. Bliese kein Wind, würde ich im Idealfall einen Wedge direkt zur Fahne schlagen und ein Birdie einlochen. Müsste ich mit dem Wind spielen, würde ich versuchen, es mit einem Sand-Wedge bis vorne auf das Green zu schaffen und den Ball frei in Richtung Fahne rollen zu lassen. Gegen den Wind kann der Schlag bis zu einem Fünfereisen alles Mögliche erfordern, und dann wird die Sache erst richtig interessant.
In Jütland nahe der deutschen Grenze befindet sich der Holstebro Golfklub, eine
der besten
und schönsten
Anlagen Dänemarks.
Auf diesem
Platz habe
ich mein
Lieblingsloch
entdeckt.
Es ist das
zweite, ein
484 Meter
Par fünf
mit einem
knapp bemessenen
Landebereich
für den Drive
und einem
See rechts
vom Green.
Es liegt
dort sehr
hübsch zwischen
Birken und
Föhren.
Was ich an diesem Loch so mag? Es erfordert Präzision beim Abschlag und
beim zweiten Schlag ebenso, vor allem, wenn man versucht, das Green mit
zwei Schlägen zu erreichen. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Loch zu
spielen. Man kann einen Abschlag mit dem Einsereisen beginnen und dann
mit einem Vierer bis an eine gute Stelle, von der aus die Fahne anvisiert
werden kann. Dann empfiehlt sich ein Wedge, um nahe genug für eine gute
Chance auf ein Birdie zu kommen. Oder man schlägt einen Drive und dann
einen Spoon bis zum Green. Mit etwas Glück kommen Sie nahe genug heran,
um die Chance auf einen Eagle zu bekommen.
Ein wirklich gutes Hole eröffnet im Allgemeinen verschiedene Spieloptionen, wobei die möglichen Ergebnisse alles, von verheerend bis brillant, sein können. Es sollte einen Birdie ebenso zulassen wie einen Bogey.
Mein Lieblingsloch in Irland ist Nummer Zwölf in Royal Portrush an der Küste
von County
Antrim. Ich
verehre es
sehr, aber
ich fürchte
es auch jedes
Mal, wenn
ich dort
spiele. Es
ist ein sehr
hartes kurzes
Par Vier
von rund
vierhundert
Yards, auf
dem der Spieler
absolut sowohl
den Drive
als auch
den zweiten
Schlag einsetzen
muss. Nie
kann er auf
sicher spielen.
Der Drive
ist sehr
eng, mit
Heidekraut
links und
einem Bunker
rechts. Der
Annäherungsschlag
wird zu einem
exponierten,
erhöht liegenden
schmalen
Green gespielt,
das sehr
lang ist
und drei
Schichten
aufweist.
Man kann
es sich nicht
leisten,
das zu verfehlen.
Immer wenn
ich hier
spiele, denke
ich ununterbrochen
an dieses
Loch. Ich
freue mich
nicht gerade
darauf, und
häufig führt
es in einem
Spiel die
Entscheidung
herbei.
Im Idealfall würde ich den Drive zurücknehmen und ein mittleres Eisen auf die
Fahne spielen,
aber eine
Änderung
in den Windverhältnissen
kann hier
alles, von
einem Vierereisen
bis zu einem
Sand Wedge,
nötig machen.
Viele Faktoren können dazu beitragen, dass ein Loch wirklich herausragend wird: die Umgebung, die Atmosphäre, das Tournier. Der Charakter der Greens ist ebenfalls sehr wichtig. Sogar die Lochnummer hat hier einen gewichtigen Einfluss.
In Spanien gibt es viele exzellente Golfplätze, und ich kenne da viele ausgezeichnete
Holes, aber
wenn ich
eines wählen
müsste, so
wäre es das
siebzehnte
Loch in Valderrama,
ein Loch,
das ich selbst
1993 neu
gestaltet
habe. Es
ist ein Par
fünf von
467 Metern.
Die Länge
des Lochs
und das Design
laden den
Spieler ein,
das Green
mit zwei
Schlägen
zu erreichen.
Der Landebereich
für den Drive
ist ziemlich
grosszügig
bemessen
und befindet
sich auf
höherem Niveau
als das Green.
Von hier
aus werden
alle Gefahren
sichtbar
– die Bunker,
Bäche, Erdwälle
und vor allem
der See,
der die Vorderseite
des Green
schützt.
Bei diesem Loch ist Strategie alles. Das Green ist kompliziert und fällt zum
See, aber
auch nach
links ab.
Der Golfer
steht vor
der Entscheidung,
ob er das
Green mit
zwei Schlägen
erreichen
möchte oder
ob er den
Ball vor
dem Wasser
ablegt. Wenn
er attackiert
und der Schlag
zu kurz greift,
fällt der
Ball in den
See. Schlägt
er den Ball
über das
Green, handelt
er sich damit
einen schwierigen
Retourschlag
ein, weil
sich zwischen
ihm und der
Fahne ein
Bach befindet
und die grünen
Hänge sich
von ihm weg
und in Richtung
See erstrecken.
Das Loch befindet sich nahe dem Ende der Runde und es beeinflusst nicht nur die Richtung der Runde selbst, sondern auch das Resultat eines gesamten Tourniers. Hier kann wirklich alles passieren – Double Bogeys wie auch Eagles. Es ist der ganz spezielle Faktor des Sees, der dieses Loch verändert.
Wäre der See nicht da, würde das dramatische Element fehlen. Das ist bei grossartigen Golflöchern häufig der Fall. Gäbe es den Bunker neben dem Green am siebzehnten Loch in Saint Andrews’s nicht, wäre die Herausforderung weg. Das zwölfte Loch in Augusta ohne den Bach vor dem Green wäre längst nicht so knifflig. Ich möchte das siebzehnte in Valderrama irgendwann einmal so spielen wie Miguel Angel Jimenez vor einigen Jahren. Er schlug einen gewaltigen Drive und lochte ihn mit einem Vierereisen aus rund zweihundert Metern genau ein: Albatros.
Marie Laure de Lorenzi
Frankreich
Mein Lieblingsloch in Frankreich ist das sechste in Pont Royal. Man hat gerade die Parklandschaft im Tal verlassen, um auf das Garrigue Plateau zu steigen. Es ist ein ansteigendes, eher kurzes Par Vier, das einem die erste wunderbare Sicht über die Luberon Hügel bietet. Das schmale Landeareal für den Drive ist links und rechts von Bunkern gut geschützt. Ein Designer kann viel unternehmen, um ein Loch zu verbessern, insbesondere im Zusammenhang mit den Greens – komplizierte Unterbrechungen, verschiedene Möglichkeiten der Positionierung der Fahnen, die Form und Anordnung der Bunker. Es können viele interessante Faktoren auftreten, die einen an den Annäherungsschlag denken lassen und eine Entscheidung erzwingen, ob man aggressiv oder konservativ spielen sollte. Beim sechsten Loch in Pont Royal gibt es einen halb blinden zweiten Schlag hin zum Green, das von hinten nach vorn ansteigt und von einem flachen Bunker links und ein paar Grasbunkern rechts geschützt ist.
Im Idealfall würde ich meinen Drive rechts zur Mitte des Fairway bringen, damit das Green für den zweiten Schlag gut positioniert ist. Hier ist es wichtig, daran zu denken, dass man genügend Eisen mitnimmt. Das Green liegt erhöht, es ist lang, und häufig weht eine Brise, also gerät der Schlag hier tendenziell immer zu kurz. Meistens muss man den Annäherungsschlag ein wenig rechts halten, weil es links Probleme gibt, sollte man das Green nicht erreichen. Was dann noch fehlt? Man putte das Birdie ein!

