Ein Tag im Leben....

Colin Montgomery
Schottland

The Postage Stamp
Das achte Loch des Royal Troon Golf Club in Schottland, dem sogenannten "Postage Stamp".

Mein Favorit ist das achte Loch in Royal Troon, auch bekannt als „Postage Stamp“. Ein gutes Loch sollte eine Herausforderung für Spieler aller Klassen sein, und dieses stellt tatsächlich jeden Golfer vom Tourniersieger bis zum durchschnittlichen Amateur auf eine harte Probe.

Man nennt es deshalb „Postage Stamp“, also Briefmarke, weil dieses Green so klein ist. Es ist nur 127 Yards lang. Man steht am Abschlag mit einem Wedge in den Händen und denkt, man sollte es mit einem Birdie versuchen, doch die Gefahr lauert überall. Es gibt zwei Bunker links und drei rechts. Das Green ist zwar nahe, aber sehr klein, und man verfehlt es auf eigene Gefahr. In Troon ist keine Runde sicher, solange man dieses Loch nicht passiert hat. Ich habe den Ball schon auf einen Inch ans Loch geschlagen und einen Birdie gelandet, aber ich hatte auch schon sieben und acht Schläge.

Der Wind kann natürlich auf schottischen Links alles verändern. Bliese kein Wind, würde ich im Idealfall einen Wedge direkt zur Fahne schlagen und ein Birdie einlochen. Müsste ich mit dem Wind spielen, würde ich versuchen, es mit einem Sand-Wedge bis vorne auf das Green zu schaffen und den Ball frei in Richtung Fahne rollen zu lassen. Gegen den Wind kann der Schlag bis zu einem Fünfereisen alles Mögliche erfordern, und dann wird die Sache erst richtig interessant.

Thomas Bjorn
Dänemark

In Jütland nahe der deutschen Grenze befindet sich der Holstebro Golfklub, eine der besten und schönsten Anlagen Dänemarks. Auf diesem Platz habe ich mein Lieblingsloch entdeckt. Es ist das zweite, ein 484 Meter Par fünf mit einem knapp bemessenen Landebereich für den Drive und einem See rechts vom Green. Es liegt dort sehr hübsch zwischen Birken und Föhren.

Was ich an diesem Loch so mag? Es erfordert Präzision beim Abschlag und beim zweiten Schlag ebenso, vor allem, wenn man versucht, das Green mit zwei Schlägen zu erreichen. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Loch zu spielen. Man kann einen Abschlag mit dem Einsereisen beginnen und dann mit einem Vierer bis an eine gute Stelle, von der aus die Fahne anvisiert werden kann. Dann empfiehlt sich ein Wedge, um nahe genug für eine gute Chance auf ein Birdie zu kommen. Oder man schlägt einen Drive und dann einen Spoon bis zum Green. Mit etwas Glück kommen Sie nahe genug heran, um die Chance auf einen Eagle zu bekommen.

Padraig Harrington
Irland

Ein wirklich gutes Hole eröffnet im Allgemeinen verschiedene Spieloptionen, wobei die möglichen Ergebnisse alles, von verheerend bis brillant, sein können. Es sollte einen Birdie ebenso zulassen wie einen Bogey.

Mein Lieblingsloch in Irland ist Nummer Zwölf in Royal Portrush an der Küste von County Antrim. Ich verehre es sehr, aber ich fürchte es auch jedes Mal, wenn ich dort spiele. Es ist ein sehr hartes kurzes Par Vier von rund vierhundert Yards, auf dem der Spieler absolut sowohl den Drive als auch den zweiten Schlag einsetzen muss. Nie kann er auf sicher spielen. Der Drive ist sehr eng, mit Heidekraut links und einem Bunker rechts. Der Annäherungsschlag wird zu einem exponierten, erhöht liegenden schmalen Green gespielt, das sehr lang ist und drei Schichten aufweist. Man kann es sich nicht leisten, das zu verfehlen. Immer wenn ich hier spiele, denke ich ununterbrochen an dieses Loch. Ich freue mich nicht gerade darauf, und häufig führt es in einem Spiel die Entscheidung herbei.

Im Idealfall würde ich den Drive zurücknehmen und ein mittleres Eisen auf die Fahne spielen, aber eine Änderung in den Windverhältnissen kann hier alles, von einem Vierereisen bis zu einem Sand Wedge, nötig machen.

Severiano Ballesteros
Spanien

Viele Faktoren können dazu beitragen, dass ein Loch wirklich herausragend wird: die Umgebung, die Atmosphäre, das Tournier. Der Charakter der Greens ist ebenfalls sehr wichtig. Sogar die Lochnummer hat hier einen gewichtigen Einfluss.

In Spanien gibt es viele exzellente Golfplätze, und ich kenne da viele ausgezeichnete Holes, aber wenn ich eines wählen müsste, so wäre es das siebzehnte Loch in Valderrama, ein Loch, das ich selbst 1993 neu gestaltet habe. Es ist ein Par fünf von 467 Metern. Die Länge des Lochs und das Design laden den Spieler ein, das Green mit zwei Schlägen zu erreichen. Der Landebereich für den Drive ist ziemlich grosszügig bemessen und befindet sich auf höherem Niveau als das Green. Von hier aus werden alle Gefahren sichtbar – die Bunker, Bäche, Erdwälle und vor allem der See, der die Vorderseite des Green schützt.
Bei diesem Loch ist Strategie alles. Das Green ist kompliziert und fällt zum See, aber auch nach links ab. Der Golfer steht vor der Entscheidung, ob er das Green mit zwei Schlägen erreichen möchte oder ob er den Ball vor dem Wasser ablegt. Wenn er attackiert und der Schlag zu kurz greift, fällt der Ball in den See. Schlägt er den Ball über das Green, handelt er sich damit einen schwierigen Retourschlag ein, weil sich zwischen ihm und der Fahne ein Bach befindet und die grünen Hänge sich von ihm weg und in Richtung See erstrecken.

Das Loch befindet sich nahe dem Ende der Runde und es beeinflusst nicht nur die Richtung der Runde selbst, sondern auch das Resultat eines gesamten Tourniers. Hier kann wirklich alles passieren – Double Bogeys wie auch Eagles. Es ist der ganz spezielle Faktor des Sees, der dieses Loch verändert.

Wäre der See nicht da, würde das dramatische Element fehlen. Das ist bei grossartigen Golflöchern häufig der Fall. Gäbe es den Bunker neben dem Green am siebzehnten Loch in Saint Andrews’s nicht, wäre die Herausforderung weg. Das zwölfte Loch in Augusta ohne den Bach vor dem Green wäre längst nicht so knifflig. Ich möchte das siebzehnte in Valderrama irgendwann einmal so spielen wie Miguel Angel Jimenez vor einigen Jahren. Er schlug einen gewaltigen Drive und lochte ihn mit einem Vierereisen aus rund zweihundert Metern genau ein: Albatros.

Marie Laure de Lorenzi
Frankreich

Mein Lieblingsloch in Frankreich ist das sechste in Pont Royal. Man hat gerade die Parklandschaft im Tal verlassen, um auf das Garrigue Plateau zu steigen. Es ist ein ansteigendes, eher kurzes Par Vier, das einem die erste wunderbare Sicht über die Luberon Hügel bietet. Das schmale Landeareal für den Drive ist links und rechts von Bunkern gut geschützt. Ein Designer kann viel unternehmen, um ein Loch zu verbessern, insbesondere im Zusammenhang mit den Greens – komplizierte Unterbrechungen, verschiedene Möglichkeiten der Positionierung der Fahnen, die Form und Anordnung der Bunker. Es können viele interessante Faktoren auftreten, die einen an den Annäherungsschlag denken lassen und eine Entscheidung erzwingen, ob man aggressiv oder konservativ spielen sollte. Beim sechsten Loch in Pont Royal gibt es einen halb blinden zweiten Schlag hin zum Green, das von hinten nach vorn ansteigt und von einem flachen Bunker links und ein paar Grasbunkern rechts geschützt ist.

Im Idealfall würde ich meinen Drive rechts zur Mitte des Fairway bringen, damit das Green für den zweiten Schlag gut positioniert ist. Hier ist es wichtig, daran zu denken, dass man genügend Eisen mitnimmt. Das Green liegt erhöht, es ist lang, und häufig weht eine Brise, also gerät der Schlag hier tendenziell immer zu kurz. Meistens muss man den Annäherungsschlag ein wenig rechts halten, weil es links Probleme gibt, sollte man das Green nicht erreichen. Was dann noch fehlt? Man putte das Birdie ein!

 

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