Ein Tag im Leben...: In ihrem Leben hat sich viel verändert
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| „Als Landwirtin stehst Du immer im Einsatz“: Ella Grether. |
“Vor 36 Jahren war einiges in der Landwirtschaft anders”, nickt Ella Grether. Sie muss es wissen: Ende der Sechziger Jahre verliess sie den Hof ihrer Eltern am Fuss des Schwarzwalds und heiratete einen Bauer im Nachbartal. Gelernt hatte sie zwar den Beruf einer Näherin, doch Ella Grether war mit der Natur aufgewachsen. Heute erzählt auch ihre Enkeltochter dem Besucher von ihren Tieren und den bunten Bildern im Kindergarten.
„Damals war einiges schwieriger – und einiges einfacher“, erzählt die Landwirtin. „Meine Eltern hatten früher mehrere Leute auf dem Hof beschäftigt. Mein Mann besass 1969 nur einen Traktor – heute haben wir fünf.“ Doch bei aller Mechanisierung ist die Arbeit nicht weniger geworden. Ehepaar Grether Senior bewirtschaftet zusammen mit Sohn und Schwiegertochter rund 50 Hektar. „Und das bedeutet heutzutage Papier ohne Ende!“ merkt Ella Grether an. „Früher warst Du immer draussen auf den Feldern. Im Moment aber haben wir soviel Büroarbeit, wir könnten fast eine Sekretärin einstellen.“
Die Bürokratie teilen sich Grethers auf, genauso wie die Landwirtschaft. Ehemann und Sohn kümmern sich zum Beispiel um die Kühe. „Bei der Heirat hatten wir ganze neun Tiere“ erinnert sich die damals Zugezogene. „Jetzt sind’s über 30 Milchkühe und fast 60 Jungvieh.“ Alle zwei Tage holt eine regionale Molkerei die zwischengekühlte Milch ab. Streng überwachen müssen Grethers dabei nicht nur Qualität und Hygiene, sondern wegen EU-Richtlinien auch ihre Produktionsmenge.
Ebenfalls an eine regionale Organisation verkaufen Grethers ihre Trauben. Eine nahgelegene Winzergenossenschaft macht daraus Weine der Sorten Gutedel, Spätburgunder und Müller-Thurgau. „Da ändern sich in vier Jahrzehnten auch die Geschmäcke“, weiss Ella Grether. „In meiner Jugend hat kaum jemand Spätburgunder getrunken. Jetzt wird er immer beliebter.“
Das Regionale rechnet sich
Ella Grethers persönliche Spezialität ist das Feldgemüse. Verschiedene Salate führen die Beliebheitsskala an. Je nach Jahreszeit kommen Kohl, Rüben, Kartoffeln, Rote Beete, Zwiebeln, Tomaten, Auberginen, Paprika und anderes mehr hinzu. „Alles Freiland“, berichtet die Landwirtin stolz. „Und alles eine Menge Arbeit!“
Zusammen mit den eigenen Äpfeln, Birnen und Beeren verkauft die Seniorchefin ihre Ware ab Hof sowie auf zwei Wochenmärkten. Ihre Schwiegertochter übernimmt eine Stadt, sie die andere. „Unsere Kunden schätzen das Lokale“, sagt Ella Grether. „Und zeitweise kaufen sie Obst sogar billiger von uns als im Supermarkt!“
Immer wieder ihr blaues Wunder erleben Grethers aber in Gesprächen auf dem Markt. „Es gibt wirklich Leute, die meinen, Pflanzenschutzprodukte seien unnötig. Sie sagen, wir spritzen kreuz und quer, als ob es uns gerade langweilig wäre...“
In 36 Jahren hat sich auch beim Pflanzenschutz einiges getan. „Lange Zeit haben wir Kupfer auf den Reben gar nicht benutzen dürfen“, blickt Ella Grether zurück. „Heute gilt das als ‚Bio’!“ Wer im feuchtwarmen Südbaden anbaut, komme aber nicht um bessere Hilfsmittel herum. „Und wenn man sie richtig einsetzt, sind die modernen Produkte erstens sicher und zweitens schon in kleinen Mengen wirksam.“
„Angst“ habe Ella Grether zwar vor gentechnisch verändertem (GM) Saatgut. „Ich weiss einfach nicht, wie sich das auf die Kleinlebewesen in der Erde auswirkt“. Als Gemüsebäuerin achtet sie sehr genau auf das Leben an der Feldoberfläche. „Ich denke, GM-Saat ist ein Thema für die nächste Generation.“ Für teures „Bio“ hat Grether allerdings wenig übrig: „Haben Sie sich nie gewundert, warum eine angebliche Bio-Gurke im Supermarkt keine Schäden zeigt?“
Auch die Zukunft bringt Chancen
Enkeltochter Eva-Maria wird langsam ungeduldig. Wir sollten ihren Spielzeug-Storch bewundern, statt über Gurken zu reden. „Ich hoffe, dass sie und die anderen Kleinen den Hof werden übernehmen können“, sagt ihre Grossmutter. „Die Landwirtschaft ist immer noch ein toller Beruf.“
Wenn er so toll ist, warum haben fast alle Bauern in ihrem Dorf aufgehört? „Ich denke, einige haben es einfach versäumt, auf gute Spezialkulturen umzustellen. Wer in diese Region Reben und Obst hat, der wird weiterhin bestehen. Eine rosarote Brille habe ich keine. Aber irgendwie wird es bei uns gut weitergehen, da bin ich mir sicher.“
Ihr ältestes Enkelkind ist ein Mädchen. Wie ist es, speziell als Frau in der modernen Landwirtschaft zu arbeiten? „Du bist wirklich mehr Unternehmerin als Frau“, kommt die Antwort sofort. „Du stehst immer da. Und es hängt auch noch der Haushalt dran.“
In den nächsten zwei Jahren wollen Ella Grether und ihr Mann die Hofleitung formell an ihren Sohn übertragen. „Ein bisschen kürzer treten werden wir dann auch“, sagt sie. „Vielleicht sogar ein paar Tage Urlaub machen. Aber in diesem Beruf gehst Du eigentlich nie in den Ruhestand.“
Was hegt Ella Grether nach einem langen Leben in der Landwirtschaft noch für Wünsche? Diesmal überlegt sie etwas länger. „Es wäre schön, wenn deutsche Politiker nicht immer übers Ziel hinaus schiessen würden“, sagt sie. Beispiele dafür könnte sie einige auflisten...
Die hier geäusserten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig jene von Syngenta wider.


